Mehr als Kochen
Das Projekt Mehr als Kochen war gemeinsames Planen und Einkaufen, Zubereiten und Kochen, Erzählen und Singen, miteinander Erleben und voneinander Lernen. Foto: Johanniter/Joanna Nottebrock

Mehr als Kochen

Fördern und fordern - Frauen realisieren und dokumentieren ein Integrationsprojekt

Hannover, 16. Mai 2017

 
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Integration ist ein langer Weg mit vielen Schritten. „Die Verantwortung für Integration sehe ich nicht nur bei Politik und Gesellschaft, sondern auch und gerade bei den Geflüchteten selbst“, das war die Leitidee von Petra Schulze-Ganseforth, Inhaberin des Beratungsunternehmens Strategy & Marketing Institute GmbH, für ihr Projekt Mehr als Kochen. „Die Basis für erfolgreiche Integration sind Selbstbewusstsein und Gleichwertigkeit“, sagt Ruth Hartmann, Integrationsmanagerin der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Regionalverband Niedersachsen Mitte. Mit diesem gemeinsamen Verständnis startete im Sommer 2016 ein Integrationsprojekt von Frauen mit geflüchteten syrischen Frauen. Das Ergebnis ist ein gemeinsam herausgegebener deutsch-arabischer Bildband, den Petra Schulze-Ganseforth, Pia Liebermann, Leiterin der Johanniter-Flüchtlingsunterkunft in Wunstorf, und zwei syrische Projektteilnehmerinnen jetzt der Öffentlichkeit vorstellten.

 

Neun Syrerinnen, neun Geschichten, neun Drei-Gänge-Menüs

Der Bildband ist der abschließende Baustein einer ausschließlich an Frauen gerichteten Integrationsinitiative, an der neun geflüchtete syrische Frauen fünf Monate lang kontinuierlich teilnahmen. Von jeder der syrischen Teilnehmerinnen wurden typische, familiär überlieferte, Kochrezepte mündlich beschrieben, um sie in deutscher und arabischer Sprache dokumentieren zu können. Jede der Syrerinnen übernahm die Verantwortung für ihre Rezepte dreigängiger Menüs, für den Einkauf der Lebensmittel und das gemeinsame Kochen und Zubereiten der Speisen für etwa 30 Frauen und Kindern. „Für die Syrerinnen war das Gelingen ihres jeweiligen Kochtages angesichts der Sprachbarrieren, des fremden Sortiments in den Lebensmittelläden und der großen Zahl der abendlichen Essensgäste eine große Herausforderung“, sagt Petra Schulze-Ganseforth, eben dies sei Bestandteil der Projektidee gewesen, „weil aus dem Meistern von Herausforderung Stolz und Selbstvertrauen erwachsen.“

 

Das Geschehen wurde auf Arabisch und Deutsch dokumentiert

In Text und Bildern beschreibt das 92-seitige Buch das bunte Geschehen. Rezepte wurden aufgeschrieben, die entsprechenden Speisen landestypisch zubereitet und angerichtet, gemeinsame Mahlzeiten mit Frauen und Kindern an langen Tischen und die Aktivitäten vom Einkaufen bis zum Geschirrspülen nach dem Essen wurden fotografisch erfasst und zweisprachig dokumentiert. Mit den syrischen Frauen wurde über ihre Zukunftspläne, Hoffnungen und Erwartungen gesprochen und die vielen Kinder waren immer und überall dabei. Der Bildband ist auch ein Kochbuch und lädt den Leser ein, eines der 30 Rezepte für Vorspeisen, Hauptgerichte, Beilagen und Desserts selbst auszuprobieren. Das Buch beschreibt nicht nur die Atmosphäre und Intensität der Kommunikation über alle kulturellen Grenzen hinweg, sondern auch, worauf für den Erfolg eines solchen Projektes geachtet werden sollte. Die wiedergegebenen persönlichen Geschichten der Frauen beruhen auf Einzelgesprächen mit Petra Schulze-Ganseforth und Pia Liebermann und erzählen von ihrer Situation, ihren Plänen und ihren Wünschen für die Zukunft. Das Projekt hat nach Überzeugung der Projektpartner für beide Seiten eine zusätzliche nachhaltige Wirkung: Über das Miteinander, beim gemeinsamen Einkaufen, Kochen, Sich-Verständigen und Genießen, beim Austausch über kulturelle Zusammenhänge und Speisen, Gewürze oder Getränke entstanden persönliche Kontakte, eventuell vorhandene Berührungsängste und Vorurteile wurden abgebaut und Vielfalt wurde positiv gelebt.

 

Es war ein reines Frauenprojekt, die Männer akzeptierten das

Und die arabischen Ehemänner der syrischen Frauen? Petra Schulze-Ganseforth sagt dazu: „Für mich war überraschend, wie schnell es gelungen ist, die Ehemänner davon zu überzeugen, dass die Kochtermine nur für ihre Frauen und Kinder offen waren, sie also keinen Zugang zu den Räumen oder zum Geschehen hatten. Das war nur möglich, weil das Projekt auch auf deutscher Seite als reines Frauenprojekt konzipiert war und die Männer sich mit einem Blick in den Raum des Geschehens davon überzeugen konnten.“

Zur Begründung ihres unentgeltlichen Angebotes eines Konzeptes für ein Frauen-Integrationsprojekt an die Johanniter einschließlich Projektleitung und Erstellung der Dokumentation sagt Petra Schulze-Ganseforth, bei den Johannitern habe es optimale Voraussetzungen gegeben, die „Chemie“ zwischen den Beteiligten habe gestimmt. Petra Schulze-Ganseforth: „Unser Beratungsunternehmen vermittelt nicht nur mittelständischen Unternehmen, dass es wichtig ist, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sondern wir wollen auch unseren eigenen Beitrag dazu leisten.“

Zur Herausgabe des Bildbandes betonen die Projektpartner, dass es wichtig ist, das Projekt Mehr als Kochen als gutes Beispiel bekannt zu machen und so zu beschreiben, dass es sich jederzeit an anderer Stelle realisieren lassen würde, wenn sich die richtigen Partner zusammenfinden. „Wir brauchen unbedingt mehr Projekte speziell für geflüchtete Frauen, um ihnen zu zeigen, dass sie in Deutschland gehört und unterstützt werden“, sagt Pia Liebermann. „Mit einem Projekt wie Mehr als Kochen kann man Integration zu einer Erfolgsgeschichte machen, weil es keine bessere Brücke zwischen Kulturen gibt, als das gemeinsame Kochen und Essen“, stellt Ruth Hartmann fest.

 

Nur möglich mit großem ehrenamtlichen Engagement

Petra Schulze-Ganseforth weist darauf hin, dass sich solche nichtstaatlichen und nichtkommerziellen Projekte nur mit großem Freizeit-Engagement ehrenamtlicher Helfer realisieren lassen und sie verweist auf im Buch genannte Partner, Mitwirkende und auf die primetec GmbH als Sponsoringpartner, ohne die Mehr als Kochen so nicht möglich gewesen wäre.

Während des Abschlussgesprächs nach dem letzten Kochtermin im Dezember 2016 stellte eine der syrischen Frauen fest: „Alle syrischen Frauen wollen die deutsche Sprache lernen, einige eine Ausbildung anfangen und eine will sogar ein syrisches Restaurant eröffnen“. Pia Liebermann sagte: „Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie sehr die Frauen sich durch die Teilnahme an diesem Projekt wertgeschätzt gefühlt haben.“ Für ihr Beratungsunternehmen Strategy & Marketing Institute GmbH stellte Petra Schulze-Ganseforth fest: „Der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt wird für viele geflüchtete Frauen nicht einfach. Sich in diesem Feld zu engagieren, könnte ein nächstes Projekt unseres Unternehmens sein. Denn schließlich gehören die Geflüchteten zu den ‚Stillen Reserven‘ des angespannten Beschäftigungsmarktes."

 

Bilder von dem Projekt

 

Impressionen aus dem Buch

 

 
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